Blender und Solids – Grundlage für moderne Quilts

Unifarbene Patchworkstoffe und Patchworkstoffe mit einem dezenten Ton-in-Ton-Muster sind die Grundlage für moderne Quilts, denn sie lassen das Schnittmuster (das englische Wort „Pattern“ sagt es viel besser) besonders gut zur Geltung kommen. Die Gestaltung wirkt dadurch grafisch-modern und gibt einem Raum mit einem modernen Quilt etwas Leuchtendes und Großzügiges. Unifarbene Patchworkstoffe werden als Solids bezeichnet und auch von den Stoffherstellern so benannt, z. B. Moda Bella Solids. Patchworkstoffe mit einen dezenten Ton-in-Ton-Muster werden als Blender bezeichnet, z. B. die „Blender Fabric Collection“ von Art Gallery Fabrics.

Was sind eigentlich moderne Quilts?

In der Kunst gibt es klare Abgrenzungen zwischen den verschiedenen Stilrichtungen und -epochen. Im Patchwork und Quilting gibt es das nicht. Trotzdem weist ein moderner Quilt bestimmte gestalterische Eigenschaften auf, dazu gehören unter anderen:

Kräftige Farben

Die Auswahl der Farben gehört nicht nur in der Kunst und im Design zu den wichtigsten Aspekten der Gestaltung, auch im Patchwork spielen sie eine ultimativ wichtige Rolle. Patchworkstoffe in modernen Quilts weisen oft kräftige Farben auf und werden mit Weiß oder Grau kombiniert.

Deutliche Kontraste

Moderne Quilts zeigen oft deutliche Kontraste sowohl zwischen den Stofffarben als auch in den Patchworkblöcken selbst, also der Anordnung der vernähten Stoffstücke. Diese werden oft eher groß- als kleinteilig gestaltet, um die Wirkung von Mustern und Farben zu verdeutlichen.

Grafische Elemente

Natürlich ist auch das Blatt einer Blüte letztendlich ein grafisches Element, aber moderne Quilts basieren auf den geometrischen Grundformen Punkt, Linie, Dreieck, Viereck und Kreis. Oft werden diese gestalterisch ausgewogen miteinander kombiniert und stehen im Dialog miteinander.

„Tower3“ von Season Evans

Negative Space

In Kunst, Fotografie und Grafik arbeitet man bewusst mit positivem und negativem Raum. Positiver Raum ist das eigentliche Motiv, im Patchwork zum Beispiel der einzelne Block. Der „Negative Space“ – der negative Raum – ist in modernen Quilts der Stoff zwischen den einzelnen Blöcken oder im Block selbst der Hintergrundstoff, für den man einen sog. Blender oder Solid wählt.

„Stitched Denim“-Quilt von Brigitte Heitland – hier sieht man den „Negative Space“ als wesentliches Gestaltungsmerkmal

Minimalismus

Für die einen stellt Minimalismus eine Kunstrichtung dar, für die anderen ist er eine Lebensphilosophie. Minimalismus bedeutet auch: Platz für das Wesentliche schaffen. Moderne Quilts zeigen ihre Gestaltungsmerkmale klar und deutlich – eben auf das Wesentliche reduziert.

Works Special Edition von Denyse Schmidt
„Works Special Edition“ von Denyse Schmidt

Optional: Improv Piecing

Ohne exakte Anleitung für die einzelnen Blöcke schneidet man Stoffstücke teilweise frei Hand und absichtlich „wonky“ (Übersetzt: wackelig) zu und lässt seinen Quilt organisch wachsen. Struktur und ein Grundprinzip gibt es aber auch hier: so können zwar die einzelnen Blöcke in sich improvisiert sein, aber nachher wieder auf eine gleiche Größe getrimmt werden.

„Scrappy Placemats“ improvisiertes Patchwork in Quilt as you go-Technik

Moderne Quilterinnen

Erst in den 2000er Jahren gewannen moderne Quilts an Renommee und Quilkünstlerinnen auf der ganzen Welt begannen, sich als „Modern“ zu bezeichnen. Es gibt so viele Gestalterinnen, die ich bewundere und möchte hier einige nennen, die mich immer wieder aufs Neue inspirieren:

Denyse Schmidt (Klick)

Denyse Schmidt ist eine US-amerikanische Quilterin und Textildesignerin, deren Liebe zu Stoffen und zum Nähen tief in ihrer Kindheit verwurzelt ist. Sie wuchs in Massachusetts auf, wo es viele Textilfabriken und Fabrikverkäufe gab – die Einkäufe ihrer Mutter dort sind ihr eine intensive Kindheitserinnerung.

Für ihre Quilts konzentriert sie sich intensiv auf den Entwurfsprozeß und lässt ihre Entwürfe meistens von vertrauten Näherinnen umsetzen. Sie experimentiert sowohl mit Hand- als auch Maschinenquilting und setzt diesen Gestaltungsaspekt je nach gewünschtem Ausdruck ein. Denyse Schmidt skizziert ihre Ideen mit Bleistift auf Papier, um den Quilt dann „an der Wand“ weiter zu entwickeln. Ihre Designs sind tendenziell minimalistisch, aber farbenfroh, ihre Farbwahl stets intuitiv, ohne sich an Farbtheorien festzuhalten.

Als Textildesignerin hat sie Kollektionen für namhafte Stoffhersteller entworfen.

Denyse Schmidt ist für mich eine Inspiration, weil sie ihre Quilts frei und intuitiv entwickelt und den unbedingten Mut zum Experiment hat, davor ziehe ich einfach den Hut!

Web: dsquilts.com | Instagram: dsquilts | Foto: Gale Zucker

Sandra Johnson (Klick)

Sandra Johnson ist eine US-amerikanische Textilkünstlerin, die in den 1990er Jahren mit dem Quilten begonnen hat. Ihre ganz eigene Stilrichtung zeichnet sich durch die Verarbeitung von unterschiedlichen Stoffen aus, die sie gerne in Boro-Technik verarbeitet und mit Sashiko veredelt. Ebenso ist Sandra für ihre Bekleidung aus Denim bekannt: sie veredelt Jeansjacken mit Sashiko-Patches und Flicken und arbeitet Patchworkstücke in Jacken, Kleider und Hosen ein.

Sandra Johnson ist für mich eine Inspiration, weil sie ihre Quilts und Bekleidung selber lebt und unglaublich cool und lebensfreudig wirkt. Jeansblau tut meinem Auge jeden Tag aufs Neue gut und die Werke von Sandra kann ich immer wieder betrachten!

Web: sandrajohnsondesigns.com | Instagram: sandrajohnsondesigns

Brigitte Heitland (Klick)

Brigitte Heitland ist eine deutsche Textildesignerin und Quilterin aus dem Schwarzwald und näht seit ihrem sechsten Lebensjahr. Zunächst studierte sie Innenarchitektur, wechselte aber dann in das Fach Textildesign. Brigitte Heitland ist Designerin für Moda Fabrics und entwirft unter dem Label Zen Chic Stoffkollektionen, die sich durch eine ganz eigene Handschrift auszeichnen – jede Quilterin, die einmal einen Stoff von ihr verarbeitet hat, erkennt sofort, wenn sie einen anderes Dessin aus einer Zen Chic-Kollektion in Händen hält!

Ihre Quilts zeichnen sich durch klare, reduzierte Designs aus, deren Konzeption mittels „Negative Space“ einen klaren Stil zeigen. Die Reduzierung auf das Wesentliche geht stets Hand in Hand mit einer ausgewogenen Farbkomposition, wobei die gewählten Farben zwar oft gegensätzlich sind, aber immer harmonieren.

Brigitte Heitland ist für mich eine Inspiration, weil sie alle Designbereiche des Patchworks vereint: Textil- und Quiltdesign. Außerdem schätze ich die Darstellung ihrer Arbeiten sehr, denn sie präsentiert ihre Quilts immer im Kontext eines Raumes und unterstützt damit meine eigene Vorstellungskraft.

Web: brigitteheitland.de | Instagram: zenchicmoda

SD Evans Foto Mikael Kennedy
Season Evans (Klick)

Season Evans ist eine US-amerikanische Quilterin gebürtig aus Pennsylvania und stark von traditionellen Quiltmustern beeinflusst, die sie als Kind gesehen hat. Ihr Leben an verschiedenen Orten hat ihre Kreativität bereichert und sie nutzt diese, um traditionelle Muster anzupassen und aufzubrechen. In ihren Quilts widmet sie sich intensiv einem bestimmten Gestaltungsmerkmal und entwickelt dieses über mehrere Arbeiten hinweg weiter. Ein augenfälliges Merkmal von Season Evans Quilts sind die Rückseiten, denen sie eine ebenso große Aufmerksamkeit schenkt wie den Vorderseiten. Der künstlerische Ausdruck zeigt hier eine zweite Seite, die mit der Vorderseite im Dialog steht und gleichzeitig gegensätzlich ist.

So modern ihre Entwürfe sind, so traditionell sind die Quilts gefertigt – das Handwerk als Mittel zum Geschichtenerzählen ist für sie ebenso wichtig wie das verwendete Material.

Season Evans ist eine Inspiration für mich, weil ihre Quilts mit den Vorder- und Rückseiten wie eine Weiterentwicklung der Werke von Anni Albers und Gunta Stölzl, die zwei großen Textilkünstlerinnen des Bauhauses, sind.

Web: sdevans.com | Instagram: s.d.evans | Foto: Mikael Kennedy

Ich werde hier im Blog nach und nach einige von ihnen vorstellen.

Unifarbene Patchworkstoffe: Was sind Solids und Blender?

Das ist ganz schnell beantwortet:

  • Solids sind einfarbige Patchworkstoffe, z. B. Moda Bella Solids – es gibt großartige Quiltdesignerinnen, die ausschließlich mit Solids arbeiten
  • Blender sind Patchworkstoffe mit Mustern, deren Farben aber Ton in Ton sind und mit etwas Entfernung auch einfarbig aussehen. Blender stehen nicht im Vordergrund und unterstützen optisch die Wirkung des Patchworks
Meine Wahl an einfarbigen Stoffen passend zum Fokusstoff. Mein Tipp: beachte die Farbinformation auf der Webkante – wenn man sich an diese Farben hält, passen sie später 100 %ig zum Stoffmuster.

Warum ich Solids liebe

Als Kommunikationsdesignerin und Dienstleisterin in Sachen Werbung muss ich oft „lauter“ und greller sein, als mir eigentlich lieb ist. Dabei liebe ich eigentlich abstrakte, geometrische Layouts und eine minimalistische Gestaltung. Im Patchwork darf ich dann so gestalten wie ich es möchte – reduziert, mit meinen Farbvorlieben, manchmal fröhlich und süß, aber immer mit wenig Gestaltungsmerkmalen!

Unifarbene Patchworkstoffe sind für mich das Salz in der Suppe. Sie geben einem Quiltdesign die nötige Ruhe und haben etwas edles, weil sie nicht hervorstechen. Ihr umfangreiches Farbspektrum ist eine Bereicherung und meine Stoffkarte der Moda Bella Solids hüte ich wie meinen Augapfel. Es macht immer wieder unglaublich viel Spaß, zu einem gemusterten Stoff einen Solid rauszusuchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zurück nach oben